Die Hauptlast tragen Frauen

Kommentar von Frauke Gützkow, GEW

Zum Internationalen Frauenkampftag und dem Equal-Pay-Day

In der Covid-19-Pandemie erreichen die GEW so viele Briefe, Tweets und E-Mails wie selten zuvor, und zwar auffallend häufig von Frauen. Erzieherinnen schreiben, wie sehr sie die Arbeit ohne Maske inmitten fast vollzähliger Kita-Gruppen gefährdet und Konflikte über ein Ja oder Nein zur Notbetreuung zermürben. Lehrerinnen berichten, wie sie in Zeiten einer ausgedünnten Personaldecke zeitgleich Notbetreuung, Präsenz- und Distanzlernen stemmen sollen. Frauen in der Weiterbildung sehen sich von betriebsbedingten Kündigungen und ausfallenden Honorarverträgen betroffen. Und auch die Laufbahnen prekär befristet beschäftigter Wissenschaftlerinnen sind noch unsicherer als zuvor. 

Wie unter dem Brennglas treten in der Pandemie ohnehin ungelöste Probleme auf dem Weg zur Geschlechtergerechtigkeit zutage. Frauen arbeiten besonders häufig in Kitas und Grundschulen, also mit Kindern, für die Betreuung und Lernbegleitung besonders wichtig sind. Damit sorgen sie dafür, dass Eltern – und damit ebenfalls Frauen – ihrer Arbeit nachgehen können. Und das zu Gehältern, die oft niedriger sind als die ihrer Kolleginnen und Kollegen, die mit älteren Kindern und Jugendlichen arbeiten. 

Die Kleinfamilie ist in Lockdown-Zeiten besonders gefordert und die Gefahr einer Retraditionalisierung von Rollenbildern nicht von der Hand zu weisen. Zu sagen, die gestiegene Care-Arbeit werde nur bei Frauen abgeladen, springt in dieser Allgemeinheit zwar zu kurz, aber der größere Teil der Betreuung, des Homeschoolings und der Hausarbeit lastet durchaus auf Frauen, insbesondere wenn sie – frauentypisch – in Teilzeit oder prekär beschäftigt sind. 

Wie nie zuvor werden Frauen in ihren unterschiedlichen Rollen gegeneinander ausgespielt: Mütter sind sauer, dass Kitas nicht oder nur eingeschränkt geöffnet haben, und Erzieherinnen sind genervt, weil die Entscheidung, wer kommen darf, auf die einzelne Einrichtung abgewälzt wird. In den Schulen ist die Lage ähnlich. Es fehlen klare Ansagen der Schulverwaltung.

Die GEW fordert die politisch Verantwortlichen seit Monaten auf, Bedingungen zu schaffen, die pädagogische Arbeit ermöglichen, bei der der Gesundheitsschutz und das Recht auf Bildung unter einen Hut gebracht werden können. Ein föderaler Flickenteppich mit 16 und mehr unterschiedlichen Umsetzungen, die sich zudem ständig ändern, ist weder Pädagoginnen und Pädagogen noch Müttern und Vätern zuzumuten. Nachvollziehbare und einheitliche Regelungen sind überfällig. Und es ist nicht die Aufgabe einer Erzieherin oder einer Lehrkraft, über die Aufnahme von Kindern in die Notbetreuung zu entscheiden! Bildungseinrichtungen brauchen die Rückendeckung der Politik, wenn sie pädagogisch sinnvolle Maßnahmen – etwa Wechselunterricht statt Notbetreuung – ergreifen. 

Die Frauenpolitikerinnen in der GEW und in allen DGB-Gewerkschaften haben die Fragen von Betreuung und Bildung in der Familie und im Beruf seit dem Ausbruch der Pandemie mit kritisch-feministischem Blick begleitet. Der Internationale Frauentag am 8. März ist eine gute Gelegenheit für weitere gemeinsame Aktionen mit Gewerkschaftskolleginnen und -kollegen und politischen Mitstreiterinnen und Mitstreitern, um - natürlich pandemiegerecht - auf unsere Forderungen aufmerksam zu machen.

Viele unserer Forderungen sind im Aufruf des DGB zu finden: Aufwertung der Berufe in sozialen und Bildungsberufen und Arbeitszeiten, die es Frauen und Männern gleichermaßen ermöglichen, erwerbstätig zu sein und Verantwortung für Familien- und Hausarbeit zu übernehmen.

https://frauen.dgb.de

Auf den Internationalen Frauentag folgt am 10. März der Equal Pay Day. Dazu noch eine gute Nachricht für alle Grundschullehrkräfte in Hessen: Mit dem Beschluss der Hamburger Bürgerschaft vom 28. Januar hat ein weiteres Bundesland eine stufenweise Angleichung der Besoldung der Grund- und Mittelstufenlehrkräfte beschlossen. Sie bekommen in drei Stufen mehr Geld, bis im August 2023 die A13 bzw. E13 erreicht ist.